Kalkrieser Funde bekommen neues Zuhause – Klimamagazin des Varusschlachtmuseums wird modernisiert

Mehr als 6000 römische Funde hat der Boden auf dem antiken Schlachtfeld in Kalkriese
bislang freigegen. Davon sind rund 400 Objekte in der Ausstellung zur Varusschlacht zu
sehen. Der weit größere Teil wird im Klimamagazin hinter den Kulissen aufbewahrt. Damit
die Funde optimal lagern, haben Museum und Park Kalkriese das Klimamagazin renoviert
und komplett neu möbliert. „Jedes Objekt braucht ein passendes zuhause und wir
Restauratoren sind dafür verantwortlich, dass sie es auch bekommen“, so Diplom
Restauratorin Christiane Matz. „Denn leider gilt für archäologisches Kulturgut nicht: einmal restauriert, hält für ewig“, erklärt Matz weiter.

 

Varus-06

Eine Schublade, ein sogenanntes Modul für das Klimamagazin, hat Jochim W. Kinast von METZMEDIC kurzerhand mit Goldmünzen aus Schokolade befüllt. Restauratorin Christiane Matz freute die Überraschung. – Copyright: Varusschlacht im Osnabrücker Land, Foto: Hermann Pentermann

Schon seit vielen Jahren wird das Fundmaterial, zumeist aus Metall und vielfach nicht größer als ein Fingernagel, im Klimamagazin bei einer relativen Luftfeuchte von 25 % gelagert. So soll verhindert werden, dass die wertvollen Objekte weiter korrodieren und dass durch die jahrtausendlange Lagerung im Boden eingedrungene Salze die Funde von innen aufsprengen. Durch eine fachgerechte Aufbewahrung sollen Schäden vermieden werden – in Fachkreisen auch „Präventive Konservierung“ genannt. Um sich im Bereich des Funddepots noch besser aufzustellen hat das Varusschlacht-Museum sich auch im Rahmen der Initiative „Kunst auf Lager“ und dank einer Förderung der Stiftung Niedersachsen entschlossen das vorhandene Klimamagazin zu renovieren. Ein entsprechendes Regal- / Schrankmodulsystem, indem auch der noch so kleinste Fund gut aufgehoben ist und das eine sinnvolle Sortierung erlaubt, bildete vorerst die größte Neuerung. Konzipiert und optimal angepasst wurde die Einrichtung von der Firma METZMEDIC aus Wildeshausen. „Eigentlich beschäftigen wir uns mit der Ausstattung von Krankenhäusern. Aber die Anfrage aus Kalkriese hat uns gleich begeistert“, so Jochim W. Kinast und Kurt Muschouri von METZMEDIC. „Das hier ist kein alltäglicher Auftrag für uns. Wann hat man schon mal die Gelegenheit für ein so wertvolles Kulturgut ein neues zuhause zu planen?“, so Kinast bei einer Besichtigung des neuen Klimamagazins. Das Funddepot und damit auch die Funde wurden im Verlauf der Renovierung außerdem im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht gerückt. Mit energiesparenden LED-Leuchten in Tageslichtqualität können nicht nur die Kalkrieser Wissenschaftler, sondern auch Fachkollegen aus aller Welt im neuen Funddepot die Objekte optimal begutachten. Damit einher geht auch die digitale Erfassung des Kalkrieser Fundspektrums. Im Rahmen des neuen Forschungsprojekts der VW-Stiftung werden alle Funde in eine neue und moderne Funddatenbank eingegeben „Damit gehen wir einen großen Schritt in Richtung Zukunft. Auf Dauer möchten wir durch einen Open Access, einen freien digitalen Zugang, den Austausch mit Fachkollegen vereinfachen“, so Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann. „Auch hier leben wir unseren Leitspruch „Museum für alle“. Im kommenden Jahr werden alle Funde nach der Erfassung wieder in das Magazin eingebracht.

„Auch wenn wir uns über die Modernisierung freuen, haben wir jetzt noch einen ganzen
Berg Arbeit vor uns“, „Aber wir sind alle mit Leidenschaft bei der Sache und haben uns dem
Erhalt der Kalkriese Funde – von der Maske bis zum Sandalennagel – verschrieben“, freut
sich Christiane Matz.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s