Ein Antefix ist Objekt des Monats Oktober im MKK Dortmund

Die Furcht vor dem Bösen war in der Antike allgegenwärtig. Die Griechen fanden spätestens ab dem 7. Jh. v.Chr. ein Abwehrmittel: Das Gorgoneion, das Medusenhaupt. Die Gorgo Medusa war der Inbegriff des Grauenhaften, Schrecklichen und Widerwärtigen, und nichts eignete sich damit besser dafür, das Böse in die Knie zu zwingen. Also zierte das Medusenhaupt beispielsweise Ziegel an Dachrinnen, so genannte Antefixe, wie auch das Objekt des Monats Oktober.

 

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Antefix mit Gorgoneion, 2.H. d. 4. Jh. v.Chr. – Foto: Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund.

 

Wer sich von der Wirkung des Gorgoneions überzeugen will, kann es eintrittsfrei im Museum für Kunst und Kulturgeschichte besichtigen. Dort liegen detaillierte Informationen u.a. darüber bereit, wie Medusa zu ihrem Ruf kam und wie sich die Tradition um das Gorgoneion bis in unsere heutige Zeit fortgesetzt hat.

Zu Beginn jedes Monats werden Schätze aus den Depots des Museums als Objekt des Monats präsentiert und den Besuchern vorgestellt. Anregungen und Informationen dazu gibt es bei Cathleen Tasler, Tel. (0231) 50-25514, Mail: mkk@stadtdo.de.

 

Antefix mit Gorgoneion

Welch’ Miene die Gorgo machte, als sie vom Krummschwert enthauptet war! Wieviel Gift die Münder ver-strömten und wieviel Tod aus ihren Augen floss, ist kaum zu glauben! (Lucan IX.678–680)

Die Gorgo Medusa – von Tieren, Menschen und selbst Göttern gefürchtet. Am Rande der Welt soll dieses Monster gelebt haben, ein Monster, das nichts als den Tod gebracht haben soll. Ihre Haare nämlich seien von Giftschlangen durchzogen, ihr Blick versteinere jeden, der sie anblicke, und auch seine Seele bliebe in Stein gefangen – ein grausamer Tod also drohe all jenen, die sich zur Medusa wagten. Doch ein Halbgott, Perseus, habe sich in die Höhle der Medusa gewagt und mithilfe der Götter Athene und Hermes die Gorgo besiegt: In Athenes spiegelndem Schild nur habe er das tödliche Antlitz erblickt und sich so der Gorgo nahe genug nähern können, um sie zu enthaupten. Fortan habe das Haupt den Schild der Athene geschmückt, wobei die versteinernden Augen wohlweislich meist mit den Schlangenhaaren verdeckt worden seien. Im Kampf jedoch habe die Göttin die Haare beiseite gestrichen und ihre Feinde versteinert. Dieser Mythos gehört wohl zu den bekanntesten der Antike und wurde von zahlreichen Dichtern wie Homer, Hesiod, Ovid oder auch Lucan besungen. Medusa – ein Inbegriff des Grauens und des Schreckens.

Das Böse aber lauert nicht nur am Ende der Welt, so glaubte man schon in der Antike. Doch wie nur kann man sich schützen? Indem man dem Bösen etwas noch Grauenhafteres, Grässlicheres und Widerwärtigeres entgegensetzt, war der allgemeine Konsens, und was gab es in der Antike Schrecklicheres als die Medusa? Aus diesem Grund fand man im antiken Rom und Griechenland an Tempeln, Grabbauten, Häusern oder auch an Schilden, Münzen und noch viel mehr Gegenständen das schauderhafte Gorgoneion.

Schon ab dem 7. Jh. v.Chr. belegen archäologische Funde diese apotropäische, d.h. unheilabwehrende Nutzung des Medusenhauptes. So lächelte die archaische Gorgo den Betrachter mit einer Zunge an, die sie zwischen mächtigen Eckzähnen hervorstreckte, und stierte wild aus ihren aufgerissenen Augen, während selbst ihre Schlangenhaare zischelnd dem Blick auszuweichen suchten. Doch die Griechen neigten dazu, Darstellungen zu ästhetisieren und mehr das Schöne als das Hässliche darzustellen. Also entwickelten sie den schönen Typus der Medusa, der hier beim Objekt des Monats vorliegt: Eher menschlich als maskenhaft erscheint das Gesicht auf dem Antefix, das als Zierziegel Dachrinnen antiker Gebäude säumte. So sind die Zähne ebenso wie die Zunge verschwunden und die Schlangen nur noch angedeutet, der frontale Blick jedoch bleibt. Trotz dem Streben nach Schönheit also behielten die Griechen und auch die Römer das Symbol des Grauens bei – zwar in abgewandelter Form, aber nicht weniger effektiv, wie man wohl glaubte.

Das Gorgoneion befriedigte demnach ein Grundbedürfnis der Menschen, das sich über viele Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit gehalten hat. So traf man im Mittelalter auf schrecklich anzuschauende Wasserspeier, die an den Dachrinnen der Kirchen das Böse niederstarrten und fernhielten – und heute? Auch an einem Oktobertag blickt man an so mancher Tür oder manchem Fenster einer hässlichen Fratze entgegen, denn

Geister und Gespenster
Schauen heut’ Nacht in jedes Fenster,
Wollen alle Leut’ erschrecken,
Grusel findet sich in allen Ecken.
Drum stell schnell den Kürbis raus,
Der das Bös’ hält fern vom Haus.
Julia Jennifer Beine, B.A.

 

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