Kabinettausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“ ab 12. November 2016 in Museum und Park Kalkriese

Acht Goldmünzen im Fokus

Als der Boden im diesjährigen Sommer acht Goldmünzen auf dem antiken Schlachtfeld von Kalkriese freigeben hat, staunten nicht nur Archäologen. Nur rund fünf Monate nach dem Fund präsentiert das Varusschlacht-Museum mit der Kabinettausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“ vom 12. November 2016 bis 15. Januar 2017 die Geschichte zu den Münzen, ihrer Bedeutung vor 2000 Jahren und ihren Wert für Wissenschaft und Forschung heute. „Das Thema Münzen ist viel spannender als so mancher auf den ersten Blick erwartet. Münzen öffnen immer wieder ein Zeitfenster und sind ein Schlüssel zur Geschichte“, so Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks. Die acht Aurei stehen im Mittelpunkt der Schau und sind der Ausgangspunkt für weitere Themenschwerpunkte. „Mit dieser Ausstellung kommen wir dem großen Interesse unserer Besucher nach. Unzählige Anfragen und eine Vielzahl an Zeitungsartikeln nach dem Fund der Goldmünzen haben uns dazu bewogen“, so Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht im Osnabrücker Land. „Diese Ausstellung zeigt dass in Kalkriese Forschung und Museum Hand in Hand gehen“, so Rottmann weiter. „Das ist eine Stärke des Hauses, die jetzt einen greifbaren Ausdruck findet. Und das in einer wirklich gelungenen Ausstellung“, ergänzt Landrat Dr. Michael Lübbersmann, Landkreis Osnabrück.

 

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Was Münzen erzählen können, zeigt die Ausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“. – Copyright: Varusschlacht im Osnabrücker Land, Foto: Hermann Pentermann

Ein Sensationsfund: Acht Goldmünzen

Im Zentrum der Schau stehen die acht Goldmünzen. „In der Ausstellung haben wir eine Raum-in-Raum-Situation. Der äußere Raum ist schwarz. Lichtakzente beleuchten die Entdeckung des Goldfundes und auch die Geschichte der weiteren römischen Münzen aus Kalkriese“, erklärt Grafikerin Gabriele Dlubatz, Varusschlacht im Osnabrücker Land, das Gestaltungskonzept. Leuchtobjekte, Vitrinen mit Funden und Medienstationen setzen rund um den Mittelpunkt des Kabinetts Themen ins Licht. Das Zentrum bildet ein heller weißer Kubus. Entlang an drei nur leicht den Blick freigebenden Seitenwänden öffnet er sich als Raum der acht Goldmünzen aus Kalkriese. Acht filigrane Vitrinenstelen in der Mitte des Quadrats lassen die feinen Münzobjekte in ihrer hellen Umgebung schweben. Weiterer Hingucker ist ein Goldregen, der sich von der Decke ergießt.
Zu Beginn erzählt die Ausstellung die Entdeckungsgeschichte der Münzen. Goldfunde sind in regulären Grabungen äußerst selten, da das Edelmetall bereits in der Antike von außerordentlichem Wert war. Mit diesem Fund hat sich der Bestand der bei Ausgrabungen gefundenen Goldmünzen in Kalkriese auf einen Schlag mehr als verdoppelt. Alle Aurei wurden in den Jahren zwischen 2 v. Chr. und 4/5 n. Chr. im heutigen Frankreich in Lyon (Lugdunum) geprägt. Die Münzen vom Typ Caius/Lucius werden als Schlussmünze, d.h. als Münzen mit der jüngsten Prägung vor der Varusschlacht datiert. Das Münzbild zeigt auf der Vorderseite den Kopf des Kaisers Augustus, auf der Rückseite die kaiserlichen Prinzen Caius und Lucius Caesar. Auch die Finder der Münzen, der Archäologie Marc Rappe, der Grabungstechniker Klaus Fehrs und der Hobby-Archäologe Karsten Keune, erzählen ihre persönliche Entdeckungsgeschichte. Filme, Schautafeln und Projektionen lassen den Besucher eintauchen in die Tage im Juni 2016, als mit einem Mal ein goldenes Glitzern die Ausgräber in den Bann zog.
Römische Münzen in Kalkriese

Seit jeher wurden auf den Äckern in Kalkriese Münzen gefunden. Seit Beginn der archäologischen Grabungen wurden 1629 Münzen entdeckt – aus Gold, Silber, Kupfer und diversen Kupferlegierungen. Doch warum haben die Römer hier so viel Geld verloren? Und wie erklärt sich die Verteilung der Münzen. Mit antiken Texten, einem Teil des Kalkriese Münzensembles und dem Vergleich mit anderen Fundplätzen wird in diesem Ausstellungsbereich ein weiter Bogen gespannt – von Theodor Mommsen über die Erkenntnisse aus 25 Jahren archäologischer Forschung bis hin zur Schlüsselrolle von Münzen in der Datierung des antiken Schlachtfelds von Kalkriese. „Wir zeigen hier einen großen Ausschnitt aus dem Repertoire des Kalkrieser Münzbestandes in allen Facetten und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven“, erläutert Restauratorin Christiane Matz, Varusschlacht im Osnabrücker Land.
Die Römer und das Geld

Die Geschichte des Geldes im antiken Rom ist ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung. Was kostete was? Wer verdiente wieviel? Und wie setzten die Römer das Geld für ihre Zwecke ein? Das sind nur einige Fragen die hier anschaulich aufbereitet werden. Römische Münzen war nicht nur ein Zahlungsmittel. Vielmehr wurde Geld als Propaganda und Werbemittel im alten Rom eingesetzt. Die Geschichte um die Goldmünzen ist besonders spannend: Mit der Caius/Lucius Münze gab Augustus bekannt, wen er als mögliche Nachfolger in Betracht zog. Die kaiserlichen Prinzen und Adoptivsöhne Caius und Lucius Caesar. Zwischen den beiden Caesaren sind zwei Schilde, Lanzen und religiöse Gerätschaften, ein Lituus (Priesterstab) und ein simpulum (Schöpfkelle), zu sehen, die auf die militärischen und religiösen Funktionen der beiden Prinzen als designierte Nachfolger des Augustus anspielen. Ausgangspunkt für das Thema antiker Münzherstellung ist eine Replik eines antiken Prägestempels mit einer passenden Originalmünze aus Trier. Auch die Unterschiede der auf den ersten Blick gleich aussehenden Goldmünzen werden hier verdeutlicht und erläutert. Für echte Kenner steht ein digitales Münzmemory bereit. Hier sind ein guter Blick und Konzentration gefordert.
Fragen und Forschungsbedarf

Alles geklärt und abgeschlossen? Nach wie vor werfen die Goldmünzen neue Fragen in Fachkreisen auf. Was haben acht Goldmünzen, die so dicht beieinander gefunden wurden, zu bedeuten? Wie sind sie in den Boden gekommen? Die für Wissenschaftler aber wohl noch spannendere Frage ist aber, wie sich der hohe Anteil an Gold und Silbermünzen in Kalkriese in den sogenannten „Barschaften“ erklären lässt. Der Fund der acht Goldmünzen gibt dem Forschungsprojekt zu den Münzen neuen Aufwind und zeigt einmal mehr, dass Münzen ein wesentlicher Bestandteil für das Verständnis des Kampfgeschehens in Kalkriese sind.
Goldene Zeiten

In den Wintermonaten geht es in Museum und Park Kalkriese auf eine Spurensuche rund um den Sensationsfund. Öffentliche Führungen werden an Sonn- und Feiertagen um 13:00 und 16:00 Uhr und regelmäßig in den Weihnachtsferien angeboten. Zum Abschluss jeder Führung prägen die Teilnehmer eine Münze und nehmen so ein kleines Stück Geschichte mit nach Hause. Am Familiensonntag am 4. Dezember 2016 und 8. Januar 2017 heißt es für Kinder „Knete machen – stellt eure eigene Münze her“. Vorträge bereiten das Thema verständlich auf. Am 20. November 2016 berichtet der Altertumswissenschaftler Dr. Ulrich Werz über den neuesten Kenntnisstand zu den Goldmünzen. Am 5. Januar 2017 geht der Fachmann Fritz Rudolf Künker vom gleichnamigen Osnabrücker Auktionshaus der Frage nach, was uns Münzen sagen. Und am 15. Januar 2017 spannt Dr. David Wigg-Wolff vom Deutschen Archäologischen Institut den Bogen von Krösus bis Konstantin. Für Erwachsenengruppen und Schulklassen gibt es buchbare Angebote. Am Eröffnungstag, 12. November 2016, werden regelmäßig öffentliche Führungen angeboten. Informationen und Auskunft sind unter http://www.kalkriese-varusschlacht.de oder beim Buchungsservice unter 05468 9204-200 abrufbar.
Die Ausstellung wurde von Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks, der Grafikerin Gabriele Dlubatz und der Restauratorin Christiane Matz entwickelt und gestaltet. „Dass wir diese Ausstellung so schnell auf die Beine stellen konnten, ist dem engagierten Team von Museum und Park Kalkriese zu verdanken. Mein Dank gilt also zuallererst meinen Mitarbeitern“, freut sich Dr. Joseph Rottmann. Die Realisierung der Ausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“ wurde in erheblichem Maße durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Felicitas und Werner Egerland Stiftung und das Münzauktionshaus Künker ermöglicht.

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