In der Wildnis bereits ausgestorben: Wilhelma beginnt mit der Haltung von Säbelantilopen

Eine eindrucksvolle Tierart mit dramatischem Schicksal zieht in die Wilhelma in Stuttgart ein. Der Zoologisch-Botanische Garten nimmt erstmals Säbelantilopen auf, um mit deren Nachzucht der fast schon dem Tod geweihten Tierart quasi eine zweite Chance zu geben. Sie ist in der Wildnis bereits komplett ausgestorben – lediglich dank der von Zoos gehaltenen Tiere kann nach dem Arche-Noah-Prinzip der Versuch unternommen werden, sie wieder in der Natur anzusiedeln.

 

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Die Säbelantilopen teilen sich die Trockensavanne der Wilhelma mit den Grevy-Zebras und den Dorcas-Gazellen. – Foto: Wilhelma Stuttgart

 

In der Wilhelma lebt jetzt der 2012 in England geborene Bock Amadi mit zwei Antilopenkühen aus Portugal zusammen: Mahedi und Isis (benannt nach der altägyptischen Göttin) sind 2015 im Zoo Lissabon auf die Welt gekommen. Ihren neuen Platz in der Wilhelma haben sie auf der nordafrikanischen Trockensavanne gemeinsam mit den Grevy-Zebras und Dorcas-Gazellen. Die Neuankömmlinge zählen zu den Oryx-Antilopen, tragen aber als einzige von ihnen ihre mächtigen Hörner von bis zu 1,20 Meter Länge säbelartig gebogen. Neben ihrem begehrten Fleisch und Fell wurde ihnen dieses prächtige Markenzeichen zum Verhängnis. Einst bevölkerten sie in riesigen Herden von Hunderten und bisweilen Tausenden von Tieren die Sahara und Sahelzone, wie sie dort noch Mitte des 20. Jahrhunderts zu beobachten waren. Im offenen Gelände ihres kargen Lebensraums waren die genügsamen Oryx die längste Zeit zum Überleben nicht auf Deckung angewiesen. Das änderte sich, als die Jagd zunehmend technisiert wurde. In der großen Ebene ließen sich die Antilopen leicht mit Jeeps und sogar Flugzeugen verfolgen und salvenweise abschießen. Neben Wilderei setzten den Oryx Bürgerkrieg, Futterkonkurrenz durch die Viehhaltung von immer mehr Schafen und Ziegen sowie anhaltende Dürreperioden zu.

Der Bestand der Säbelantilope sank rapide und unaufhaltsam. Ende der 1970er waren nur noch insgesamt 6000 Tiere bekannt. Seit 1986 galt die Art Oryx dammah offiziell als bedroht, 1996 wurde sie als stark bedroht eingestuft. Seit dem Jahr 2000 ist sie in der Natur ausgestorben – genauer gesagt: durch menschliches Tun ausgerottet.

Mit anfangs gerade einmal nur knapp 50 Tieren haben rund 200 Zoos durch Nachzucht eine neue stabile Population von mehr als 2000 Säbelantilopen aufbauen können. Auch in vier Reservaten in Nordafrika existieren sie wieder in zunächst noch kleiner Zahl. Die Koordinatoren stellen nun aus dem Pool des Erhaltungszuchtprogramms der europäischen Zoos sowie Tieren aus dem Emirat Abu Dhabi und den USA eine genetisch möglichst vielseitige Gruppe zusammen, die in der Republik Tschad ausgewildert werden soll. Ausgewählt hat man dafür die 78.000 Quadratkilometer große Region Ouadi Rimé–Ouadi Achim, die heute ein Naturschutzgebiet ist. Dort hatten sich die Säbelantilopen als letztes Rückzugsgebiet am längsten halten können. Daher räumen ihnen die Experten auch die besten Chancen ein, dort zuerst wieder Fuß zu fassen. An dieser ehrgeizigen Pionierarbeit beteiligt sich die Wilhelma nun durch die Haltung und künftig Zucht der imposanten Säbelantilopen.

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